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Vom Denken zum Fühlen

Zum Nutzen der Körperweisheit

Der Intellekt ist etwas Schweres, Intelligenz ist ganzheitlicher. Der Intellekt ist nur geborgt, Intelligenz gehört dir selbst. Der Intellekt ist logisch, rational; Intelligenz ist mehr als logisch. Sie ist intuitiv.

Der intellektuelle Mensch lebt nur mit Argumenten. Sicher können einen Argumente bis an einen bestimmten Punkt bringen, doch darüber hinaus bedarf es der Eingebung. Selbst große Wissenschaftler, die mit dem Verstand arbeiten, kommen ab und zu an einen Punkt, an dem der Verstand nicht mehr funktioniert, wo sie auf eine Eingebung warten, auf einen intuitiven Blitz, auf eine Eingebung aus dem Unbekannten.

Und es geschieht immer: Wenn man hart mit dem Intellekt gearbeitet hat und nicht der Ansicht ist, dass der Intellekt alles ist, sondern offen ist für das, was jenseits davon ist, dann dringt eines Tages ein Erkennen durch. Es gehört nicht dir; und doch ist es deines, denn es gehört auch niemandem sonst. Es kommt aus deinem innersten Zentrum. Es sieht nur so aus als käme es aus dem Jenseits, weil du nicht weißt, wo dein intuitives Zentrum liegt.

Das Sanskrit-Wort sadhumati: Mati bedeutet Intelligenz, und sadhu bedeutet weise, zusammen also weise Intelligenz. Es gibt Menschen, die vielleicht rational sind, aber nicht vernünftig – vernünftig ist mehr als rational. Manchmal ist ein vernünftiger Mensch bereit, auch Irrationales zu akzeptieren – weil er vernünftig ist. Er weiß, dass auch das Irrationale existiert. Der rationale Mensch dagegen wird niemals einsehen, dass auch das Irrationale existiert. Er glaubt nur an die begrenzten, logischen Schlussfolgerungen.

Doch es gibt Dinge, die nicht logisch bewiesen werden können und trotzdem wahr sind. Jeder weiß, dass es sie gibt, doch niemand war jemals in der Lage, sie zu beweisen. Liebe existiert – doch niemand war jemals in der Lage nachzuweisen, um was es sich dabei handelt oder ob es sie gibt oder nicht. Und doch weiß jeder, dass es Liebe gibt. Wenn Rationalisten sich verlieben, haben sie ein Problem, denn sie fühlen sich schuldig. Doch Liebe existiert. Und niemand ist jemals mit dem Intellekt allein zufrieden, solange das Herz nicht ebenfalls erfüllt ist. Das sind die zwei Polaritäten in uns: der Kopf und das Herz.

Intelligenz ist die angeborene Fähigkeit, zu sehen, wahrzunehmen. Jedes Kind wird intelligent geboren und wird dann von der Gesellschaft verdummt. Wir erziehen es zur Dummheit, und früher oder später macht es seinen Abschluss in Dummheit.

Intelligenz ist ein natürliches Phänomen genauso wie das Atmen, wie das Sehen. Intelligenz ist inneres Sehen; sie ist intuitiv. Verwechsle niemals Intellekt mit Intelligenz, denn sie sind polare Gegensätze. Intellekt gehört zum Kopf; er wird einem von anderen beigebracht, er wird einem übergestülpt. Man muss ihn trainieren. Er ist geborgt, er ist etwas Fremdes, er ist nicht angeboren. Doch Intelligenz ist angeboren. Sie ist dein innerstes Wesen, deine wahre Natur. Die Intuition ist nur ein Spiegel. Sie schafft nichts, sie reflektiert das, was ist.
Intelligenz stirbt ab, wenn man andere nachahmt. Wenn man intelligent bleiben möchte, muss man aufhören, andere nachzuahmen. In dem Moment, in dem man sich bemüht, wie ein anderer zu werden, löst man sich von seiner Intelligenz, wird man dumm.

In dem Moment, in dem man sich mit einem anderen vergleicht, verliert man sein natürliches Potential. Man verliert seine Klarheit, man verliert seine Vision/Idee/Wahrnehmung. Man hat nur noch geborgte Augen, doch wie kannst du durch die Augen von jemand anderem sehen? Du brauchst eigene Beine zum Gehen, und du brauchst ein eigenes Herz.

Menschen leben ein geborgtes Leben, daher ist ihr Leben gelähmt. Diese Lähmung führt dazu, dass sie sich dumm, wertlos, fühlen – und dabei kommt niemand ohne Intelligenz auf die Welt; niemand kann ohne Intelligenz geboren werden, weil wir aus der Existenz kommen. Die Existenz ist reine Intelligenz. Wir bringen einen Geschmack, einen Duft aus dem Jenseits mit, wenn wir in die Welt kommen. Doch sofort wirkt die Gesellschaft auf dich, beginnt dich zu manipulieren, zu lehren, zu verändern, hier etwas wegzuschneiden und dort etwas hinzuzufügen, bis du jede Gestalt, jede Form verloren hast. Sie respektiert das Individuum nicht, sie zwingt alle in ein bestimmtes Muster. Vielleicht passt das Muster zufällig auf ein paar Menschen, doch die Mehrzahl fühlt sich verloren und leidet.

Es braucht eine vollkommen neue Art von Ausbildung und Erziehung in dieser Welt.

Ein Mensch, der zum Handwerker geboren ist, erweist sich als dumm in Mathematik, und ein Mensch, der ein großer Mathematiker hätte werden können, muss Geschichte und Handwerk lernen und fühlt sich verloren dabei. Alles steht auf dem Kopf, weil die Ausbildung nicht eurer wirklichen Natur entspricht.

Du lebst in einer Gefängniszelle – doch du kannst dich daraus befreien. Es ist schwierig, dich daraus zu befreien, weil du dich so sehr daran gewöhnt hast, sie deine einzige Identität geworden ist – doch du musst dich daraus befreien, wenn du dein wahres Wesen wirklich zurückgewinnen willst.

Was meine ich mit Rebellion? Damit meine ich, alles aufzugeben, was dir gegen deinen Willen aufgezwungen wurde, d. h. lernen. Lernen ist anstrengend, du brauchst Mut, um zu lernen. Lernen bedeutet, dass man demütig sein muss, dass man bereit sein muss, das Alte fallen zu lassen, dass man ständig bereit sein muss, Neues anzunehmen. Lernen ist ein Zustand frei von Egoismus. Und man weiß nie, wohin einen das Lernen führen wird. Man kann über einen Lernenden nichts vorhersagen; sein Leben ist unvorhersehbar. Er bewegt sich in einem Zustand des Nichtwissens. Deshalb können Kinder so wunderbar lernen. Wenn sie älter werden, hören sie auf zu lernen, weil sich das Wissen ansammelt und es einfacher ist, das Alte zu wiederholen.

Warum sich noch die Mühe machen? Es ist einfacher, dem alten Muster zu folgen, sich im Kreis zu bewegen. Doch dann setzt Langeweile ein. Dummheit und Langeweile gehen Hand in Hand. Intelligenz ist die Fähigkeit, wieder und wieder neu geboren zu werden. Die Vergangenheit sterben zu lassen bedeutet Intelligenz/Weisheit, in der Gegenwart zu leben ist Intelligenz.

Der Kopf, der Verstand, ist ein Biocomputer. Man kann darin Wissen ansammeln, und wann immer man es braucht, kann man es entnehmen. Er ist gut und wichtig für Berechnungen, für das alltägliche Leben, für den Marktplatz. Doch wenn man annimmt, dass dies das ganze Leben ist, dann bleibt man dumm. Dann wird man niemals die Schönheit von Gefühlen und den Segen des Herzens kennen lernen. Intensives Leben geschieht durch das Herz und kann nur durch das Herz wachsen. Wann immer du etwas wirklich in deinem Herzen fühlst, verwandelt es dich unmittelbar; es wird zu Handlung. Das ist das Kriterium – das Gefühl wird zur Handlung.

Da Menschen in der therapeutischen Beziehung dazu tendieren, dieselben zwischenmenschlichen Probleme zu produzieren, mit denen sie im normalen Leben zu kämpfen haben, konzentriere ich mich auf das, was im jeweiligen Augenblick zwischen dem Klienten und mir vorgeht als auf die Ereignisse seines vergangenen oder aktuellen Lebens. Indem ich die Beziehung zwischen dem Klienten und mir (oder, in einer Gruppentherapie, die Beziehungen unter den Gruppenmitgliedern) genau beobachte und wahrnehme, kann ich an Ort und Stelle aufzeigen, in welcher Weise ein Klient die Reaktionen anderer Menschen beeinflusst. Die Fähigkeit, Ungewissheit auszuhalten, ist somit eine Grundvoraussetzung meiner therapeutischen Tätigkeit.

Als Therapeutin habe ich eine doppelte Aufgabe: Ich muss das Leben der Klienten sowohl beobachten als auch daran teilnehmen. Als Beobachterin muss ich objektiv genug sein, um, soweit erforderlich, eine Leitfunktion für den Klienten übernehmen zu können.

Als Teilnehmerin trete ich in das Leben der Klienten ein und lasse mich auf eine Begegnung ein, die mich nicht nur emotional berührt, sondern manchmal auch mein Leben verändert. In dem Moment, wo ich mich voll auf das Leben eines Klienten einlasse, bin ich nicht nur denselben existentiellen Problemen ausgesetzt, sondern ich muss auch bereit sein, mir dieselben Fragen zu stellen. Ich gehe davon aus, dass Wissen/Sehen besser ist als Nicht-Wissen. Riskieren besser als Nichtriskieren und dass Magie und Illusion, so ergiebig und verlockend sie auch sein mögen, letztlich nur zur Schwächung des menschlichen Seins führen.

„Der Weg des Besseren, so es ihn gibt, erfordert einen schonungslosen Blick auf das Schlimmste“. Da ich als Therapeutin nicht weniger als die Klienten mit existentiellen Gegebenheiten konfrontiert werde, ist das in der Naturwissenschaft so unentbehrliche Postulat der unbeteiligten Objektivität für die therapeutische Arbeit nicht geeignet. Als Psychotherapeuten können wir nicht nur Wohlwollen verströmen und die Klienten dazu anhalten, energisch gegen ihre Probleme anzukämpfen. Wir können nicht sagen: „Sie und Ihre Probleme“.

Stattdessen müssen wir von uns und unseren Problemen als Menschen sprechen, denn unser Leben, unsere Existenz wird immer mit dem Tod verbunden sein. Liebe immer mit Verlust, Freiheit mit Furcht und Wachsen mit Trennung. Diese Realität teilen wir alle. Schmerz können wir nicht vermeiden, er gehört zum Leben, wir können lernen mit ihm umzugehen.

Die Freiheit des einzelnen vollzieht sich im Willen, der Triebfeder der Tat.

Für mich verläuft der Willensakt in zwei Phasen: der Wunschphase als auslösendem Moment und der Entscheidungsphase als vollziehendem Moment. Manche Menschen sind in ihren Wünschen blockiert, weil sie weder Gefühle noch ihre Körperempfindungen, noch ihre Wünsche kennen. Ohne eigene Impulse, ohne Neigungen werden sie zu Parasiten der Wünsche anderer und sie werden langweilig und lästig. Andere Menschen sind entscheidungsunfähig. Obwohl sie genau wissen, was sie wollen und was sie tun sollten, sind sie nicht in der Lage zu handeln und laufen stattdessen selbstquälerisch vor dem Tor der Entscheidung auf und ab.

Entscheidung bedeutet immer Verzicht: Jedes Ja erfordert ein Nein, jede Entscheidung bedeutet das Ende für alle anderen Optionen.

Die existentielle Isolation, eine Grundtatsache des Lebens, bezieht sich auf die unüberbrückbare Kluft zwischen dem ICH und den ANDEREN, eine Kluft, die auch in intensivsten zwischenmenschlichen Beziehungen nicht zu überwinden ist.

Diese existentielle Isolation unterscheidet sich von zwei anderen Formen der Isolation: der interpersonellen Isolation oder Einsamkeit erfährt ein Mensch, wenn ihm die sozialen Fähigkeiten oder die Persönlichkeit fehlen, die ihm erlauben, enge soziale Kontakte herzustellen.

Intrapersonelle Isolation tritt dann ein, wenn Teile des Selbst abgespalten sind, wenn z.B. die Erinnerung an ein Ereignis ihrer Gefühlsqualität beraubt wird. Die extremste Form der Spaltung, ist die Persönlichkeitsspaltung und ist relativ selten.

Da es für die existentielle Isolation keine Lösung gibt, müssen Therapeuten von falschen Lösungen abhalten. Der Versuch, der Isolation zu entkommen, kann die Beziehungen zu anderen Menschen sabotieren. So manche Freundschaft oder Ehe ist gescheitert, weil wir den „anderen“ als Schutz gegen die Isolation benutzten, anstatt uns aufeinander zu beziehen, für einander da zu sein.

Einen weitverbreiteten und ungeheuer wirksamen Versuch, die existentielle Isolation zu überwinden, stellt die Fusion dar – die Auflösung der individuellen Grenzen, das Verschmelzen mit einem anderen.

Eins der großen Paradoxe des Lebens ist die Tatsache, dass Selbstwahrnehmung Angst erzeugt. Die Verschmelzung rottet diese Angst zunächst radikal aus, indem sie die Selbstwahrnehmung ausschaltet. Man hüte sich vor der übermächtigen, exklusiven Bindung an eine Person; sie ist keineswegs, wie viele glauben, sichtbarer Beweis der reinen Liebe. Eine solche eingekapselte, ausschließliche Liebe – die sich aus sich selbst nährt und weder gibt noch sich um andere kümmert – muss zwangsläufig in sich selbst zusammenfallen.

Liebe ist mehr als ein Ausbruch von Leidenschaft zwischen zwei Menschen; zwischen Verliebt Sein und Lieben besteht ein gewaltiger Unterschied. Liebe ist eine Form des Seins, ein Geben und Nehmen und kein Sich hinein fallenlassen; sie steht in einem größeren Zusammenhang und ist nicht auf eine einzige Person begrenzt.

Es gibt nichts, was uns je widerfahren ist, das nicht auch auf unseren Körper seine Auswirkungen gehabt hätte, sei es auf heilende, sei es auf schädigende Weise.

Trotz hat für ein Kind die Schutzfunktion seiner Verletzlichkeit und Liebesfähigkeit, die Verletzlichkeit ist die Verbindung zur Wurzel der Feinfühligkeit, des Mitgefühls, der angeborenen Intelligenz und der Verbindung zur universalen Kraft.

Ein Kind weiß nicht, dass seine Bezugspersonen diesen Zugang verloren haben und nimmt die Verantwortung dafür auf sich, nicht richtig zu sein/zu machen etc. Rebellion gibt einem Kind die Hoffnung und Durchhaltevermögen, es später doch noch zum Durchbruch seines Wesens zu bringen.

Doch wenn wir erwachsen geworden sind, haben wir längst vergessen, wofür wir diese Entscheidung einmal getroffen haben und im Körper hat sich der natürliche Fluss zum affektiven Reflex entwickelt und wir gewöhnen uns daran, wir wissen nicht mehr, dass unser Körper, die Entscheidung und Lösungsmöglichkeit in Form eines Schmerzes/Lähmens bewahrt hat und sind nur noch wütend auf ihn. Wir nehmen den Schmerz nicht mehr als Helfer und Beschützer unseres Lebens wahr. Wir verachten unsere und andere verletzlichen Bedürfnisse und kämpfen gegen das Leben und für den Tod.

Bei Trauer brauchen wir ein Du, das uns tröstet, bei Wut ein Du, ein Gegenüber das hält und in Beziehung bleibt, bei Angst ein Du, das Halt, Sicherheit und Geborgenheit gibt, bei Freude ein Du, das mit uns die Freude teilt – und alle diese Handlungen können wir uns nicht selbst geben.

Zitat von Martin Buber: „Das Ich wird erst am Du zum Ich – „es ist die Begegnung, die uns zu Wachstum verhilft. Wenn der Mensch das Apriori der Beziehung nicht an der Welt bewährt, das eingeborene Du sich nicht am begegnenden auswirkt und verwirklicht, dann schlägt es nach innen. Es entfaltet sich am unnatürlichen, am unmöglichen Gegenstand am Ich; d.h. es entfaltet sich da, wo es gar keinen Ort zur Entfaltung hat. So entsteht das Gegenübertreten in sich selbst (Grübeln/Rationalisieren), das Nicht-Beziehung, Gegenwart, strömende Wechselwirkung, sondern nur Selbstwiderspruch sein kann. Der Mensch mag ihn als eine Beziehung, etwa als religiöse, auszudeuten versuchen, um sich dem Grauen des Doppelgängertums zu entwinden: er muss immer wieder das Trügerische der Deutung entdecken. Hier ist der Rand des Lebens. Ein Unerfülltes ist hier in den wahnwitzigen Schein einer Erfüllung geflüchtet; nun tastet es in den Irrgärten umher und verliert sich immer tiefer.“

Ich bin nicht absolut gegen den Intellekt. Er hat seine Verwendungsmöglichkeiten – doch sie sind begrenzt und man muss diese Grenzen verstehen. Wenn man als Wissenschaftler arbeitet, muss man den Intellekt einsetzen. Er ist ein wunderbarer Mechanismus, doch er ist nur dann wunderbar, wenn er ein Sklave bleibt und nicht zum Herrn wird.

Der Verstand als Sklave des Bewusstseins ist ein wunderbarer Diener, der Verstand als Herr des Bewusstseins ist ein gefährlicher Meister.

Das Ganze ist eine Frage der Betonung. Ich bin nicht absolut gegen den Intellekt – ich verwende ihn selbst, wie könnte ich da gegen ihn sein? Wenn ich ihn einsetzen möchte, setze ich ihn ein. Wenn ich ihn nicht einsetzen möchte, hat er keine Macht über mich.