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Tiefenpsychologische Transaktionsanalyse

Eric Berne hatte dieses Persönlichkeitsmodell in Anlehnung an psychoanalytische Denk- und Therapiemodelle entwickelt, verzichtete aber auf das mit der Freudschen Triebtheorie verbundene Konstrukt, sondern beschränkte sich zunächst darauf, vom beobachtbaren Verhalten, vom erlebbaren Denken und Fühlen und von der Wahrnehmung dessen auszugehen, was psychologisch zwischen zwei Personen ausgetauscht wird. Dieser Austausch, amerikanisch mit dem fürchterlichen Wort „Transaktion“ bezeichnet, hat diesem Persönlichkeitsmodell bzw. dieser Therapiemethode ihren Namen gegeben.

Sie geht davon aus, dass wir als erwachsene Menschen in unserem ICH nicht immer nur auf das HIER und JETZT bezogen sind und unser Leben mit heute angemessenen Mitteln zu meistern suchen – das wäre unser Erwachsenen-Ichzustand, sondern dass wir häufig auf Bewältigungsmuster zurückgreifen, die entweder einem früheren Zustand unseres eigenen ICH entsprechen – das wäre der Kindheits-Ichzustand – oder dem ICH einer früheren Bezugsperson – das wäre ein Eltern-Ichzustand.

Nach Eric Berne, dem Schöpfer der Transaktionsanalyse, sind solche Ich-Zustände phänomenologisch klar abgrenzbare Zusammenhänge von Denken, Fühlen und Verhalten, zwischen denen eine Person hin- und herwechseln kann. Ziel der transaktionsanalytischen Therapie ist es nach Berne, das Erwachsenen-Ich von den sogenannten Trübungen durch die gespeicherten Ich-Zustände aus alten Tagen zu befreien, so dass man zu mehr Autonomie und Spontaneität und echter Intimität in Beziehungen fähig wird, unbelastet durch Fixierungen der Charakterstruktur, die man in der Kindheit als Antwort auf unzureichende elterliche Zuwendung oder Grenzsetzung entwickelt hat. Dies könnte man eine „Erwachsenen-Ich zentrierte Zielsetzung“ nennen.

Im Zuge der Rückbesinnung auf Bernes frühe Schriften wird in der tiefenpsychologischen Transaktionsanalyse der Begriff der Transaktion als biologisch grundlegender Austausch zwischen realen Menschen und nicht zwischen Ich-Zuständen neu gefasst: „Eine Transaktion ist ein energetischer und/oder materieller Austausch zwischen zwei Personen oder einer Person und der Umwelt. Der transaktionale Austausch ist zirkulär; es besteht im Erleben keine lineare Kausalität; Ursache und Wirkung sind nicht voneinander zu trennen. Wohl aber kann zum Zwecke der Analyse der Kommunikation bei einer Transaktion zwischen Stimulus und Response im Sinne der Prozesse der Externalisierung und Internalisierung unterschieden werden.

Wenn zwei Personen in Beziehung treten, verbinden sich ihre „Psychen“ und bilden, sozusagen ein gemeinsames Unbewusstes. Der phänomenologisch wahrnehmbare (manifeste) transaktionale Austausch ist bereits eine Reaktion auf einen vorangegangenen „unbewussten“ (latenten) Austausch. Grundsätzlich ist jede Transaktion eine Mischung aus latenten und manifesten Anteilen, eben eine Mischung von Ereignissen im Hier und Jetzt, von früheren Beziehungserfahrungen und von Fantasien zu diesem Thema. Der latente Anteil wird aus dem Unbewussten gespeist (magisches Denken) und entfaltet sich in der Übertragung und Gegenübertragung. In der Tiefenpsychologischen Transaktionsanalyse steht die Analyse der Transaktionen immer in Verbindung mit einer Analyse der Übertragung und Gegenübertragung. Die tiefenpsychologische Transaktionsanalyse ermöglicht strukturverändernde Psychotherapie und ist mit psychoanalytischen Konzepten der Ich-Psychologie (G.Blanck & R. Blanck, P. Federn), Objektbeziehungstheorien (M.Mahler, O.Kernberg etc.), Theorien über das Selbst (H. Kohout etc.) sowie Bindungstheorien durch definierte Übergänge verbunden und abgegrenzt.

Die Bindungstheorie (D. Stern, Bowlby, Ainsworth) kann als eine Theorie zwischenmenschlicher Beziehungen verstanden werden. Die empirische Überprüfung zeigte, dass Trennungsangst entsteht, wenn „Bindungsverhalten“ in der Person aktiviert wird, dieses aber zu keinem „Erfolg“ führt. Auch Kleinkinder zeigen in der Folge Trauerreaktionen, wie sie bei Erwachsenen vorkommen:

1. Betäubung
2. Sehnsucht und Protest
3. Desorganisation und Verzweiflung
4. Reorganisation

Dabei wurden drei Bindungsqualitäten erkannt.
A) sicher gebunden,
B) unsicher-vermeidend,
C) unsicher-ambivalent oder ängstlich.
Zusätzlich kann D) Desorganisation/Desorientiertheit vorkommen.

Die Bedeutung der Bindungsforschung im therapeutischen Prozess liegt im Erkennen von Risiken perpetuierter, unsicherer und desorganisierter/desorientierter
Bindungsmuster.

Die Ethik-Richtlinien der Transaktionsanalyse beinhalten im Grunde die oben angeführten Überlegungen und stellen die Basis der transaktionsanalytischen Psychotherapie dar.

  • Ein Transaktionsanalytiker anerkennt die Würde eines jeden Menschen.
  • Der Schutz des Klienten ist die vorrangige Verantwortung der Transaktionsanalytiker. Darum sollen sie ihre bestmöglichen Dienste bereitstellen und so handeln, dass sie 
niemandem absichtlich oder fahrlässig Schaden zufügen.
  • Transaktionsanalytiker suchen in ihren Klienten das Bewusstsein der Würde, Autonomie und Verantwortung des Menschen zu wecken und ein Handeln aus diesem Bewusstsein zu fördern.
  • Ein Transaktionsanalytiker nutzt Klienten in keiner Weise aus, insbesondere nicht in finanzieller und persönlicher Hinsicht. Sexuelle Beziehungen zwischen Transaktionsanalytikern und ihren Klienten sind untersagt.
  • Transaktionsanalytiker üben ihren Beruf in voller Verantwortung gegenüber den Gesetzen des Staates oder Landes aus, in dem sie leben.